Seit 2011 findet jährlich am dritten Wochenende im Oktober in Bad Ischl die FranzJosefsFahrt statt, ausgeschrieben für Motorräder bis Baujahr 1929. Ein zwangloses Treffen für die Besitzer ganz alter, rarer Motorräder, die nur selten eine Gelegenheit vorfinden, ihre oft riemengetriebenen mobilen Schätzchen vorzuführen. Ort der Austragung mitten im Zentrum der „Kaiserstadt“ Bad Ischl. Aufstellung im Kurpark, Fahrzeugpräsentation oder kurze Ausfahrt in die Umgebung, nachmittags Präsentationsfahrt auf einem gesperrten Kurs durch die Innenstadt. Die Zahl der Teilnehmer hat sich bei ca. 150 eingependelt, die bisher aus 7 Ländern angereist waren. Am Sonntag findet eine gemütliche Ausfahrt ins Salzkammergut statt, an der jedermann mit einem Oldtimer-Motorrad teilnehmen kann. Keine Baujahrsbegrenzung, keine Teilnahmegebühr an diesem Tag.

 

Ein gutes Monat ist seit der FranzJosefsFahrt vergangen, Zeit für mich zum Nachdenken, ob und wie es weitergehen soll. Das heurige Format ohne Stadtrunde ist bei den anwesenden Teilnehmern gut angekommen, so wurde es mir zumindest gesagt - verbunden mit der Frage: „eh nächstes Jahr wieder?“ Zum Glück habe ich mich in der ersten Euphorie nicht dazu hinreißen lassen, gleich mit „ja“ zu antworten, obwohl mir danach gewesen wäre. Die Ernüchterung ist allerdings mit der Auswertung der Teilnehmerliste gekommen:

80 Teilnehmer waren gemeldet, gekommen sind aber nur 60 mit 72 Motorrädern. Mit schönen Motorrädern und wenn man die Rarität der Fahrzeuge in Betracht zieht, eh ein Klasse-Feld. Allerdings: ein Viertel der Gemeldeten ist einfach daheim geblieben, ohne sich auch nur abzumelden. Dafür setze ich mich stundenlang hin, mache Startsackerl mit Startnummern, lasse Urkunden drucken, usw – und muss die hinterher auch wieder entsorgen. Vom finanziellen Aufwand ganz  abgesehen. War es der angekündigte Regen (sooo schlecht war das Wetter dann allerdings gar nicht) oder die abgesagte Stadtrunde: jedenfalls ist die FJF jetzt knapp an einer Grenze, wo es für mich finanziell riskant wird. Wo die Kosten die Einnahmen übersteigen. Es ist das mit ein Grund, weshalb es die Stadtrunde auch in Zukunft nicht mehr geben könnte. Ich brauche dafür an die 25 Streckenposten und selbst die genügen nicht mehr, die Sicherheit zu garantieren. Wie sich schon in den letzten Jahren gezeigt hat, wollen sich die Passanten – Einheimische ebenso wie Touristen – nicht mehr an die Absperrungen halten, laufen vor den Motorrädern über die Straße, ohne sich bewusst zu sein, dass man so eine Uraltmaschine nicht einfach so abbremsen kann wie ein modernes Zweirad. Wenn etwas passieren sollte, bin ich es, der den Kopf dafür hinhalten muss.

Ich möchte dabei aber betonen, dass mir von keiner Seite irgendwelche Hürden in den Weg gelegt worden wären. Nicht von Seiten der Stadt Bad Ischl, allen voran Frau Bürgermeister Ines Schiller, nicht von der Stadtpolizei mit Postenkommandant Sepp Eisl und auch nicht von der BH. Besonders entgegenkommend war Mag. Herbert Ackerl  vom Hotel Grand Elisabeth, der uns unentgeltlich den Parkplatz zur Verfügung gestellt hat. Wer jedoch nicht mehr mitspielt sind die regionalen Medien: während früher noch Ankündigungen für die FJF bei den Wochenblättern sogar den Weg auf die Titelseiten gefunden haben, wurde das Treffen heuer von keiner der Zeitungen auch nur im Terminkalender erwähnt. Offenbar ist es heutzutage nicht mehr opportun, eine Veranstaltung anzukündigen, die mit Benzingeruch und Auspuffgeknatter behaftet ist. Dementsprechend waren diesmal ausnahmslos Leute „vom Fach“ im Kurpark, unter den Umständen nicht einmal so wenige.

Sehr langer Rede kurzer Sinn: die FranzJosefsFahrt ist Geschichte, wird 2026 nicht mehr stattfinden. Ich habe von vielen Seiten gehört, dass eine nur wenige Kilometer lange Ausfahrt zum Kaiser-Jagdstandbild als Ersatz für die Stadtrunde zu wenig sei, nur dafür und um sein Fahrzeug im Park zu präsentieren lohne sich die Anfahrt nicht. Dass es am Sonntag eine 80 Kilometer lange Ausfahrt gegeben hätte (so wie jedes Jahr an die landschaftlich wohl außer Streit stehenden Seen des Salzkammerguts) wurde dabei von keinem erwähnt - außer von denen, die mitgefahren sind. Die Stadtrunde kann es nicht mehr geben, ich habe es gut gemeint und versucht, die FJF trotzdem zu retten. Aber offenbar ist die Zeit der Veranstaltungen für Uralt- und Pionierfahrzeuge abgelaufen, man erkennt das auch an anderen ähnlichen Events (auch bei den Automobilen), die bei diesen Baujahren ebenfalls unter Teilnehmerschwund zu kämpfen haben.

Ich nütze hier die Gelegenheit, mich bei allen Teilnehmern zu bedanken, die seit 2011 in Bad Ischl bei der FJF dabei waren, und natürlich bei allen Helfern und Unterstützern. Zuletzt noch ein Hinweis auf künftige Veranstaltung im kommenden Jahr wie zB dem Meet & Greet Motorradtreffen am 16. Mai, dem 2. Treffen Österreichischer Vorkriegsmotorräder (diesmal mit dem Sonderthema 90 Jahre Puch) am 15. August 2026 – beides beim Motorradmuseum Vorchdorf. Am 27. Juni die 9. SKGT-Nostalgia in Bad Goisern am Hallstättersee. Für die Radfahrer schon am 10. Jänner die Kripperlroas für historische Niederräder in Ebensee am Traunsee. Infos hier auf der Seite EVENTS …

Hannes